Südamerikanisches Flair PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 15. Mai 2010 um 10:36 Uhr

Argentinische Tennisspielerin Cecilia Cardenas verstärkt den FC Stukenbrock

Von Alexander Fink
Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Kaum angekommen, holt sie gleich die ersten Punkte für die Tennisdamen des FC Stukenbrock: Die Argentinierin Cecilia Cardenas ist bis zum Saisonende in Deutschland und gewann ihr erstes Verbandsligaspiel glatt mit 6:0 und 6:0.

»Ich fühle mich sehr wohl in Deutschland und wurde sehr herzlich aufgenommen«, sagt die 27-Jährige, die beim FC Stukenbrock südamerikanisches Flair versprüht. Zu Hause haben ihre Freunde vor den »kalten Deutschen« gewarnt, doch denen konnte sie nach der Ankunft widersprechen: »Alle kümmern sich sehr gut um mich.«
An den Wochenenden ist noch eine zusätzliche Spielerin in der Wohnung der jungen Argentinierin. Die polnische Mannschaftskollegin Malgorzata Kornek und Cecilia Cardenas bilden dann eine kleine Wohngemeinschaft. »Die Kommunikation klappt noch nicht so gut«, meint Cardenas. Beide haben kaum Englischkenntnisse, so werden Gespräche oft mit Händen und Füßen geführt. Cecilia Cardenas lebt mit ihrer Mutter in der argentinischen Stadt Zárate, 100 Kilometer von Buenos Aires entfernt. Der Ort ist mit seinen 100 000 Einwohnern viermal so groß wie Schloß Holte-Stukenbrock. »Doch die beiden Städte sind erstaunlich gleich«, fällt der Tennisspielerin auf. Ihr Vater hat sie mit acht Jahren zum Tennis gebracht, ihr Talent zeigte sich schnell, und so war sie mit zehn Jahren »el numero uno nacional«, die Beste im Land. »Heute ist Tennis mein Leben«, sagt sie. So verdient Cecilia Cardenas ihren Lebensunterhalt. Sie nimmt an Turnieren teil und trainiert in ihrem Heimatland auch Mannschaften. »Es wäre schön, wenn ich beim FC Stukenbrock auch trainieren könnte«, sagt die junge Argentinierin. Die Erfahrungen, die sie hier in Deutschland macht, bringen sie in ihrem Heimatland weit voran: »Deutschland ist aus unserer Sicht in Europa ein ganz besonderes Land«, sagt sie. »Wenn ich bis jetzt zehn Kinder in meiner Gruppe trainiert habe, sind es nach meiner Rückkehr und dem neuen Wissen sicher doppelt so viele.« Den Kontakt nach Südamerika hat der FC über den westfälischen Tennisverband geknüpft. »Wir haben einen Tipp bekommen, und diesen näher verfolgt«, sagt Jugendwart Rainer Nowack. Nach dem ersten Spiel am zurückliegenden Sonntag hat sich gezeigt, dass der Verein richtig gehandelt hat: Sie gewann ihr Spiel 6:0 und 6:0 und siegte sogar im Doppel mit der erst 13-jährigen Patricia Ettler (6:3, 7:5). Auch ihre Teamkolleginnen ließen keinen Punkt liegen, und so behielt der FC im ersten Meisterschaftsspiel mit 9:0 gegen den TuS Hamm die Oberhand.
Bis zu ihrer Abreise am 5. Juli will Cecilia Cardenas noch viel erleben: »Ich möchte unbedingt nach Berlin«, sagt sie. Doch zuerst muss sich der Neuankömmling in der Stadt zurecht finden. Dabei hilft ihr Übersetzerin Trudi Westergerling, die in Südamerika geboren wurde und perfekt spanisch spricht. Ein Manko gibt es nämlich: Cecilia Cardenas spricht weder Deutsch noch Englisch. Doch die Tennisabteilung setzt alles daran, dass sie sich wie zu Hause fühlt und in einem Jahr noch mal wiederkommt.

(Quelle: Westfalen-Blatt vom 07.05.2010)

 
RocketTheme Joomla Templates